Kurze Mietlaufzeiten waren nie das Problem

Früher war alles besser? Ein Ankermieter blieb damals mindestens zehn Jahre, manchmal waren es sogar 15 oder auch 20 Jahre. Der Asset-Manager freute sich, musste er die Immobilie doch lediglich verwalten und konnte – etwas zugespitzt ausgedrückt – den Rest des Jahres zufrieden die Arme in den Schoß legen. Was waren das für Zeiten!

Und heute? Mietlaufzeiten von zehn Jahren und länger sind heutzutage nur noch im Lebensmittelbereich darstellbar. In der Textilbranche sind wir stellenweise bei maximal fünf Jahren angekommen, Tendenz sinkend. In der Regel gehen immer mehr Flächen nur noch für ein bis drei Jahre weg. Pop-up-Stores haben noch kürzere Laufzeiten. Schuld daran sind der E-Commerce, ein zunehmender Hyperwettbewerb. Sich immer schneller ändernde Konsumgewohnheiten halten die Einzelhandelskonzepte permanent auf Trab. Planungssicherheit für zehn Jahre oder mehr ist ein Luxus geworden, den sich noch die wenigsten Händler leisten.

Zunächst einmal muss man unterscheiden zwischen den einzelnen Mietverträgen auf der einen und den dazu kommenden periodischen Laufzeiten auf der anderen Seite. Die einzelnen Mietverträge werden zwar kürzer. Im Durchschnitt liegt der Bedarf für eine Anmietung an einen bestimmten Standort jedoch nach wie vor bei zehn Jahren und mehr, rechnet man Verlängerungen und etwaige (Vergrößerungs-)Optionen hinzu. Dahinter steckt der Gedanke, dass ein erfolgreicher Mieter keineswegs plant nach drei Jahren wieder ausziehen. Wozu sollte er das auch tun, wenn sein Verkaufskonzept gute Umsätze generiert und durch eine passende Positionierung der Immobilie gestärkt wird. Dass ein Mieter nur wenige Jahre in der Immobilie bleiben will, ist keineswegs ausgemacht.   

Was sich tatsächlich gewandelt hat, sind die Ansprüche der Mieter, und diese Trends ziehen sich die gesamte Wertschöpfungskette hindurch: vom Verbraucher über den Mieter bis hin zum Vermieter. Der Verbraucher fordert mehr Fantasie, Flexibilität und Kreativität von seinem Händler ein. Er erwartet – im Gegensatz zum ausschließlich auf die Bereitstellung einer bestimmten Ware zielenden digitalen Einkauf – im stationären Bereich mit Recht den beratenden Verkauf und nicht nur den Nachweishändler, der einem das Füllpapier aus dem Turnschuh herausholt und allein dafür courtagiert werden will.

Entsprechendes gilt für den Mieter und sein Verhältnis zu seinem Vermieter. Der Einzelhändler fordert und benötigt für die Entscheidung, sich an einen bestimmten Standort zu binden, fortwährende Beratung. Er erwartet Evaluationen und Konzepte zur Positionierung und Verbesserung des Standortes. Er tut das aus dem gleichen Grund, aus welchem auch der Verbraucher sich für den Einkauf vor Ort entscheidet: um sich auch langfristig zu vergewissern, dass die Investition richtig war. Wer diese Form der Beratung bietet, muss sich um die Bindung seiner Kunden, seien es Mieter, seien es Verbraucher, keine Sorgen machen.

Geschäftsführer
IPH Handelsimmobilien GmbH

Lars Jähnichen

Tel.: +49 89 55118-175
E-Mail: jaehnichen.iph@bbe.de