Fusion von Karstadt und Kaufhof: Wie sieht die Zukunft der Kaufhäuser aus?

Eine Absichtserklärung ist unterzeichnet und damit mehren sich die Anzeichen, dass Kaufhof und Karstadt kurz vor einem Zusammenschluss stehen. Für Handelsexperten kommt diese Fusion im Grunde nur wenig überraschend. Für 180 Warenhausstandorte ist laut Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE-Handelsberatung „das Marktpotenzial in Deutschland zu gering“.

Er sieht dringenden Handlungsbedarf: „Zuerst muss für die noch rentablen Standorte, die von Ihrer Ausrichtung einigermaßen homogen sind, ein klares Konzept gefunden werden. Auf der anderen Seite muss man sich konsequent von den Standorten trennen, die als Kaufhaus einfach nicht mehr zu betreiben sind.“ Ein Zusammenschluss würde bei Verwaltung, Logistik, Eigenmarkenausbau, Marketing und Einkauf zwar sehr große Synergieeffekte erzielen und dadurch Kosten senken. Doch diese Einsparungen würden laut Stumpf nicht reichen. „Nötig ist in jedem Fall eine gute Multi-Channel-Strategie. Denn den Online-Handel haben sowohl Kaufhof als auch Karstadt in der Vergangenheit vernachlässigt.“

Stumpf hatte bereits vor Jahren prophezeit, dass in Deutschland langfristig nur ein großer Kaufhausbetreiber am Markt übrigbleiben wird. Denn der Ausleseprozess im Einzelhandel wird durch ein enormes Flächenwachstum angetrieben. In den letzten Jahren ist die Verkaufsfläche teilweise dramatisch gewachsen. Nicht nur die Anzahl der Konkurrenten der Kaufhäuser ist so gewachsen, sondern auch deren Verkaufsflächen und damit ihr Angebot. „Das ursprüngliche Verkaufsargument der Kaufhäuser war ihre Sortimentsvielfalt. Der Kunde fand alles unter einem Dach, von Möbeln über Schmuck bis zu Lebensmitteln. Aber mit dem Flächenwachstum der letzten Jahre haben sich für nahezu jede Warengruppe des Kaufhauses Anbieter in unmittelbarer Nähe etabliert, die das Sortiment des Warenhauses größer, spezifischer und kompetenter anbieten, wie etwa die großen Möbelhäuser, Elektrofachmärkte und Modehäuser. Zudem bieten Shoppingcenter jetzt alle Sortimente noch leistungsstärker unter einem Dach“, erklärt Stumpf.

Trotzdem gibt es eine Zukunft für Kaufhäuser in Deutschland: „Ohne Zweifel gibt es in Ballungsräumen Raum für Kaufhäuser, die durch ihre Größe und ihre Aufenthaltsqualität, etwa mit Gastronomie und Kinderbetreuung, Anziehungspunkt bleiben.“ Aber auch in kleineren Städten zeigen gerade erfolgreiche mittelständische Kaufhäuser, die sich regional individuell an Zielgruppen und Wettbewerbern ausrichten, dass es Erfolgskonzepte gibt. Einmal liegt die Positionierung in der reinen Nahversorgung mit Lebensmitteln, Drogerie- und Schreibwaren, ein anderes Mal bietet der Wettbewerb Möglichkeiten, um sich mit Sport oder Textilien auf großer Fläche zu profilieren. Stumpf: „Die zunehmende Filialisierung mit uniformierten Sortimentskonzepten schafft zudem Nischen für besondere Angebote.

Wer würde bei einem Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt profitieren? Dort, wo die aufgegebenen Standorte eine gute Qualität aufweisen (was für den Großteil der Standorte gilt), gibt es Chancen für neue Formate oder Betreiber aus allen Branchen oder auch neue Shopping-Center-Konzepte. Stumpf: „Wo die Standortqualität keine oder nur eine eingeschränkte weitere Handelsnutzung möglich macht, profitieren die Wettbewerber der aufgelösten Sortimente und die Städte bangen um die Nachnutzung an diesen Standorten.“

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IPH Handelsimmobilien GmbH

Joachim Stumpf

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