Bericht zum Handels-Dialog Bayern 2019 – Der Handel rüstet sich für die Stadt

Wie steht es um die Attraktivität der bayerischen (Innen-)Städte und was macht sie stark? Diese Frage stand im Mittelpunkt des diesjährigen Handels-Dialogs Bayern in München. Die Veranstaltung von Heuer Dialog stand diesmal unter dem Motto „Quartieren gehört die Zukunft“.

Den Auftakt der Diskussionsrunde machte Joachim Stumpf (BBE Handelsberatung und IPH Handelsimmobilien), der unter den Augen des Lebensmitteleinzelhandels (Lidl, Ihle, Kaufland, Aldi, Rewe), von Investoren, Gastronomen und kommunalen Entscheidungsträgern die Perspektiven des Handels und der Immobilienwirtschaft präsentierte. Die bayerischen Kommunen bleiben demnach zwar weiterhin begehrte Zuzugsorte, ihre Lebendigkeit werde aber unter anderem durch den Siegeszug des Online-Handels bedroht. Für einen Abgesang auf den stationären Handel sei es jedoch zu früh, da der Strukturwandel immer auch neue Chancen böte, so Stumpf. Handel ist Wandel – nie schien diese Weisheit angebrachter als heute. Stumpf: „Immer öfter muss daher bei der Planung neuer Quartiere und Handelskonzepte umgedacht werden. Einheitslösungen, wonach der Handel allein für einen attraktiven Aufenthalt in der Stadt sorgt, funktionieren nicht mehr.“ Handel und Kommunen müssten stattdessen kreativ sein und den Menschen besondere Erlebnisse sowie Orte des sozialen Austausches bieten. Positionierung und Destinationsbildung, so das Fazit, seien unverzichtbare Strategien geworden, um die Zukunft des stationären Handels zu sichern.

Florian Lauerbach (Geschäftsführer, ILG) und André Stromeyer (Geschäftsführer, HBB Gewerbebau Projektgesellschaften mbH) stellten die Studie „Der Mieter im Fokus“ vor, die gemeinsam mit BBE erstellt wurde und die wachsende Bedeutung der Handelsgastronomie herausstellt. Entsprechend stark wachse die Nachfrage nach innerstädtischen Flächen auch für den Außer-Haus-Verzehr. Zwar hätten Projektentwickler ein stärkeres Bewusstsein für diesen Trend entwickelt und vor allem großflächige Systemgastronomen seien beliebte Partner. Dennoch bleibe jede neue Gastronomieansiedlung eine Einzelfallentscheidung, zumal die Anforderungen an die technische Ausstattung der Flächen größer als im Handel sind. So werden in Einkaufszentren z.B. separate Kundeneingänge und Anlieferungsstellen benötigt, die auch am Wochenende offen sind und die tägliche Lieferung von frischen Lebensmitteln erlauben. Die Systemgastronomen wiederum versuchen mit flexibleren und meist kompakteren Filialkonzepten dem Platzmangel in den Innenstädten entgegenzuwirken.

Nach der Gastronomie standen stadtplanerische Entwicklungen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Dr. Christian Wiggers (Rechtsanwalt, Partner, PSP München) beantwortete die Fragen der Zuhörer, inwieweit sich Handel und Wohnen nach der Baurechtsnovelle 2017 in urbanen Gebieten vertragen und gemeinsam umsetzen lassen. Letztere würden zwar zur Nachverdichtung anregen und die Innenstadtentwicklung stärken. Kritik äußerte Wiggers aber insbesondere an der inkonsequenten Umsetzung des Gesetzes und seiner widersprüchlichen Logik (z. B. beim Lärmschutz).

Thorsten Sondermann (Geschäftsführer, COMFORT München) stellte anschließend eine Studie zum Zustand der bayerischen Mittelstädte vor. Dass der Dialog zwischen Investoren, Mietern und den Kommunen immer wichtiger würde, sei zugleich eine große Chance den bayerischen Kommunen wieder ein eigenes Gesicht zu geben und vor der Uniformität vieler Innenstädte und Ortskerne zu bewahren.

Die Nahversorgung war ein weiterer Schwerpunkt des Handelsdialogs. Sowohl Bernhard Bauer (Leiter Vertrieb, Landbäckerei Ihle) als auch Marek Franz (Prokurist, Lidl) zeigten, wie die zukünftige Nahversorgung der urbanen Bevölkerung aussehen wird. Ehemals reine Bäcker hätten demnach die Zeichen der Zeit erkannt und transformierten ihre Filialen von Verkaufsstellen in Gastronomieflächen für Speisen rund um die Uhr. Lidl nehme die Entwicklung der Flächen mittlerweile selbst in die Hand, um den wachsenden Kundenbedürfnissen (z. B. breitere Parkplätze, großzügigere Eingangsbereiche) gerecht zu werden. Die Standard-Konzepte von damals, soviel wurde deutlich, haben ausgedient. Der Kunde wird zum Gast, der sich in der Filiale wohlfühlen soll.

Der letzte Themenblock des Tages stand unter dem Zeichen der Digitalisierung. Principal Consultant, elaboratum New Commerce Consulting) zeigte, wie stationäre Händler und Städte von den Strategien des Online-Handels lernen können. Letzterer sei vor allem deshalb erfolgreich, weil dem Kunden ein deutlicher Mehrwert geboten wird: Bestellkomfort, Produktvergleichbarkeit sowie eine bedingungslose Fokussierung auf den Kunden. Stationäre Händler könnten diese Strategien adaptieren, scheiterten in der Praxis aber oft an den eigenen, festgefahrenen Denkmustern. Zu oft werde beim Verkauf in Kategorien wie Marge oder Umsatz/Fläche gedacht, zu selten werde er von Anfang bis Ende auf die Bedürfnisse des Kunden ausgerichtet. Was aber hindere den stationären Handel daran, das Gleiche zu tun?

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