Trends

Megatrends – was sagt die Wissenschaft dazu?

Nov 2019
Gesellschaftliche Megatrends geben Entscheidungen eine Orientierung, denn sie zeigen uns auf, was morgen wichtig ist. Kein Wunder also, dass sie oft und viel diskutiert werden, sei es von Händlern, Stadtplanern oder Investoren von Handelsimmobilien. Aber was sagt eigentlich die Wissenschaft zu Megatrends?

Wir haben uns an jemanden gewandt, der sich auskennen muss, und Prof. Dr. Winfried Schwatlo FRICS vom Campus of Real Estate an der HfWU Nürtingen-Geislingen gefragt. Die wichtigsten Antworten haben wir für Sie in sieben Kernthesen zusammengefasst.

1. „Wo sich Menschen wohlfühlen, fühlt sich auch der Einzelhandel wohl – und umgekehrt. Online einkaufen kann man schließlich von überall, das ist nichts Besonderes. Gutes Einkaufen kann nicht nur glücklich, sondern auch gesund machen. Die dazugehörige Wohlfühlarchitektur wird zum Schlüssel des Erfolgs.“ Die gebaute Umgebung wirkt sich direkt auf das Verhalten der Menschen und damit auch auf ihr Verbraucherverhalten aus. Die Qualitätserwartungen nicht nur an die Immobilie, sondern vor allem an ihr Umfeld steigen weiter. Sinnstiftender Konsum kann Seele und Körper guttun und so in oft krank machenden Städten einen Ausgleich schaffen.

2. „Die Bedürfnisse zukunftsfähiger Mikro- und Makrostandorte werden sehr verschieden sein. Ein zukunftsfähiger Handel orientiert sich an den Bedürfnissen des vorhandenen konkreten Standortumfelds und befriedigt diese individuell.“ Das zeigt sich besonders im Mobilitätsverhalten. Konsumenten in reinen Wohnorten ohne Arbeitsstätten werden eher dazu geneigt sein, ihre Einkäufe unterwegs und mit dem Auto zu erledigen, als Konsumenten in heterogen strukturierten Quartieren. Erst die richtige Einschätzung dominanter Mobilitätsmittel führt zu einem funktionierenden Handelskonzept.

3. „Retail und Gastronomie bilden eine natürliche Partnerschaft und werten sich gegenseitig auf.“ Beide Branchen werden sich noch stärker verzahnen, als es heutzutage ohnehin schon der Fall ist. Einkaufserlebnisse werden zunehmend geprägt von Gesundheit und Genuss, was kein Widerspruch mehr ist. Die Konsumentenansprüche werden exponentiell weiterwachsen; die Schnittmenge beider Konzepte wird größer. Neben dem direkten Ladenverzehr steigt die Nachfrage nach Schnelleinkäufen zwecks Direktverzehr außerhalb der Einkaufsstätte in Kombination mit sozialer Treffpunktqualität.

4. „Es wird ein neuer Betriebstyp entstehen: Die trennscharfe Unterscheidung zwischen Nutzungskonzepten ist Geschichte.“ Quartiere differenzieren sich immer stärker und schneller aus. Klassische Handelsimmobilien, die für eine bestimmte Aufgabe entwickelt wurden, verschwinden daher. An ihre Stelle werden flexiblere Mehrzweckimmobilien treten. Aus Gewerbeimmobilien sind längst Wirtschaftsimmobilien geworden.

5. „Das Leitbild einer autogerechten Stadt ist Geschichte. Einige der frei werdenden Flächen werden für die Logistik genutzt. Großteiliger Einzelhandel in der Peripherie wird sich nur halten, wenn er gezielt Mehrwerte bietet und gut positioniert wird.“ Der verfügbare beziehungsweise gegebene Raum muss noch effektiver genutzt werden. Es ist keine neue Erkenntnis, dass alle weltweiten Ressourcen endlich sind, neu ist der reale Handlungsdruck. Wir werden uns effizienter fortbewegen, aber auch effizienter einkaufen.

6. „Trotz oder gerade wegen der Digitalisierung gewinnen reale Kontakte in der realen Welt an Bedeutung. Das ist die große Chance für Handelsimmobilien!“ „A city is smart when people are connected.“ Den meisten Projektentwicklungen fehlt weiterhin echte Raumqualität.
Dabei liegt darin eine große Chance moderner Handelsentwicklungen: Aufenthaltsqualität fördert Lebensqualität und mündet in Einkaufsqualität. Dazu gehört unbedingtes Wohlfühlen durch soziale Interaktion. Retail kann und muss jetzt als sozialer Kommunikationsraum genutzt werden.

7. „Generationenübergreifendes Wohnen ist ein Trend, der den Immobilienmarkt verändern wird. Der Handel ganz nah gehört dazu.“ „Das moderne Hightech-Dorf in der Stadt.“ Die Nahversorgung findet überwiegend am Wohnort statt. Der Mikrostandort braucht eine stimmige Einkaufsatmosphäre, die vielfältige Bedürfnisse erfüllen kann und bequem erreichbar ist mit dem Mobilitätsmittel der Wahl der jeweiligen Generation.

>>>> Dieser Beitrag ist Teil der Studie „FUTURE RETAIL – DNA DES ERFOLGES“, herausgegeben von Wealthcap. Die vollständige Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden <<<

 

 

Prof. Dr. Winfried Schwatlo FRICS vom Campus of Real Estate an der HfWU Nürtingen-Geislingen