Urbanisierung und Spezialkonzepte: Einzelhandel im Wandel

Der Traum vom eigenen Haus im Grünen war einmal. Die Menschen zieht es zurück in die Städte. Ende 2014 lebten bereits 60 Prozent der Deutschen in den Metropolen. Experten gehen davon aus, dass die Land-Stadt-Bewegung in den kommenden zwanzig Jahren weiter zunehmen wird. Der Trend hin zum urbanen Leben wirkt sich nicht nur auf den Wohnungsmarkt aus, sondern auch auf den stationären Einzelhandel.

Bislang mieteten Lebensmittelhändler vorrangig größere Flächen außerhalb der Stadtzentren an, doch dies hat sich mittlerweile geändert. Selbst Lebensmittelhändler mit Großflächen setzen aufgrund der anhaltenden Urbanisierung immer mehr auf Stadtteillagen, insbesondere innerhalb der Ballungszentren. Sie folgen den Menschen zurück in die Stadt. So lagen beispielsweise sämtliche Flächen, welche die IPH Handelsimmobilien in der ersten Hälfte des Jahres an Lebensmittelhändler vermietet hat, in Innenstädten und Stadtteillagen. Diese suchen allerdings nicht ausschließlich große Flächen, sondern oftmals auch kleinere Räumlichkeiten für innerstädtische Supermärkte, Bioläden oder Spezialkonzepte.

Neben der Rückkehr der Lebensmittelhändler in die Stadt zeichnet sich in der Einzelhandelsbranche ein weiterer Trend ab: Im stationären Handel werden immer mehr außergewöhnliche Konzepte verwirklicht. Dazu trägt auch der wachsende E-Commerce bei.

Matthias Stich, Leiter der Projektentwicklung der IPH Handelsimmobilien: „Der Online-Handel mag zwar vielerorts dafür sorgen, dass die Flächennachfrage sinkt, doch an anderer Stelle werden dadurch auch völlig neue stationäre Konzepte generiert. Viele Online-Player haben erkannt, dass sie eine Verkaufsfläche als Show-Room nutzen und ihren Kunden so eine einzigartige, erlebbare Konsumwelt bieten können, die sie im virtuellen Raum des Internets nicht finden.“ Wie genau ein solcher Show-Room aussehen kann, zeigt sich am Beispiel eines einstigen Online-Pure-Players für Barfuß-Schuhe, der vor Kurzem eine stationäre Verkaufsfläche von IPH Handelsimmobilien in Baden-Württemberg angemietet hat. In dem 78 Quadratmeter großen Laden haben Kunden die Möglichkeit, Barfuß-Schuhe auf unterschiedlichen Untergründen, z.B. auf Steinen oder Mulch, direkt auszuprobieren.

Doch nicht nur der Einfluss des Online-Handels bringt neue Spezialkonzepte im stationären Einzelhandel hervor, auch andere Unternehmen der Branche setzen zunehmend auf individuelle Geschäftsideen. Stich: „Die Bandbreite kann dabei meiner Erfahrung nach von kulinarischen Besonderheiten wie etwa einem Vegan-Markt über regionale Geschenkartikel bis hin zu einem Geschäft für amerikanische Produkte reichen, in dem vom Gartenstuhl bis hin zur Marmelade sämtliche Waren aus den USA erhältlich sind.“ Die Vermietung an solch individuelle „concept stores“  ist zweifelsohne anspruchsvoll, da die Betreiber weder auf konventionelle Ladenkonzepte noch auf Expansionsstrategien zurückgreifen können. Dennoch lohnt sich der Aufwand vielerorts, denn außergewöhnliche Ideen stechen aus der Masse hervor. Sie sorgen laut Stich für ein einzigartiges und unverwechselbares Einkaufserlebnis und verleihen dem jeweiligen Ort daher auch ein Alleinstellungsmerkmal. „Unsere laufenden Verhandlungen deuten darauf hin, dass sich beide Trends – sowohl die Rückkehr der Lebensmittelhändler in die Stadt als auch der verstärkte Fokus auf Spezialkonzepte – in Zukunft noch verstärken werden. Das gibt dem stationären Einzelhandel die Chance, Centern und Innenstädten wieder mehr Farbe zu verleihen.“

Online-Pure-Player: Barfuß leguano

Ihr Ansprechpartner:

Matthias Stich

Tel: +49 89 55118-151
E-Mail: stich.iph@bbe.de