Retail unter Druck: Wandel und wachsende Ansprüche der Konsumenten – Fünf Trends vom 8. CoRE Handelsimmobilientag

Prof. Dr. Winfried Schwatlo FRICS ist Gründer der CoRE Handelsimmobilientage, die vom Campus of Real Estate der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtlingen-Geislingen ausgerichtet werden. Die CoRE Handelsimmobilientage moderiert und leitet er gemeinsam mit Joachim Stumpf von der BBE Handelsberatung und IPH Handelsimmobilien.

2017 war ein gutes Jahr für den deutschen Einzelhandel insgesamt. Worauf aber können wir uns 2018 einstellen? Fünf Thesen, eingesammelt am 8. CoRE Handelsimmobilientag in München:

1.    Logistik ersetzt den Verkauf. Zwar führen die gute Konjunktur und Binnennachfrage insgesamt zu mehr Warenaustausch im Einzelhandel, dieser äußert sich jedoch kaum noch in der Schaffung neuer Verkaufsflächen. Statt Handelsimmobilien sind verstärkt innovative Logistikimmobilien und -konzepte gefragt, mit denen sich die Waren flexibel und schnell an die Haustür des Kunden liefern lassen. In einigen Handelslagen nimmt der Abwärtsdruck auf die Einzelhandelsmieten bereits zu, die Verhandlungsmacht der Eigentümer schwindet langsam. In der Folge konzentriert sich die Immobilienwirtschaft stärker auf Wertsteigerungsstrategien für bestehende Standorte. Die Schaffung neuer Handelsflächen lohnt sich nur noch in besonderen Lagen wie den Zentren der Metropolen.

2.    Innovationszyklen verkürzen sich. Wie sehr, zeigt sich besonders gut im Modehandel, wo Anpassungs- und Transformationsdruck besonders stark sind. Die vertikale Integration insbesondere der Multi-Marken-Anbieter wie Zara oder H&M, die ihre selbst produzierte Kleidung in eigenen Geschäften vertreiben, hat sich in den vergangenen weiter Jahren beschleunigt. Entsprechend wichtig ist es für Anbieter geworden, ihre Liefer- und Wertschöpfungsketten immer engmaschiger zu kontrollieren und die Produktzyklen zu verkürzen. Im Idealfall benötigt ein Anbieter wie Zara nur noch zwei Wochen, um ein Produkt von der Idee bis in den Laden zu bringen. Diese Strategie funktioniert mittlerweile so gut, dass manche Anbieter ihre Kunden mit bis zu 24 neuen Kollektionen im Jahr in die Läden locken.

3.    Klassische Werbeformen verlieren an Bedeutung. Stattdessen prägen vor allem Empfehlungen die Kaufentscheidungen der Kunden. Konkret wandert das Marketing immer mehr in das persönliche Umfeld des Kunden, beispielsweise durch die Vernetzung von Kunden und Händlern über soziale Medien. Die Zusammenarbeit mit Influencern, also Persönlichkeiten, die etwa via YouTube prominent im Internet mit eigenen Inhalten vertreten sind und als Empfehlungsgeber bestimmte Trends verstärken können, ist wirksamer als Anzeigen oder Werbespots geworden.

4.    Mietermacht der Lebensmittelhändler wächst. Auf welche Ankermieter können Vermieter noch setzen, um die Frequenzen in ihren Centern und Fachmarktzentren zu erhöhen? Die Studie „Der Mieter im Fokus“ der ILG Gruppe in Kooperation mit Berlin Hyp und der BBE Handelsberatung hat hierzu die Branche nach ihren Anforderungen und Zukunftserwartungen abgeklopft. Im Vergleich zu den Erhebungen der Vorjahre bestätigt sich der Trend, dass die Lebensmittel-Nahversorger anderen Ankermietern aus den Bereichen Elektro, Textil und Baumarkt den Rang in der Gunst der Asset-Manager abgelaufen haben. Der Grund: Die Kunden der Lebensmittelhändler sind weitaus weniger online-affin, gleichzeitig wachsen die stationären Umsätze im Bereich Food überdurchschnittlich.

5.    Aus Frequenzmessungen wird Big Data. Frequenz wird zukünftig nicht nur anders geschaffen, sondern auch anders gemessen. Anders als frühere Messmethoden, könnten digitale Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten, um das Flächen-, Personal- und Warenmanagement in den Geschäften zu optimieren. Als ein Beispiel seien modifizierte WLAN-Router genannt, die Suchanfragen von WLAN-aktiven Smartphones empfangen. Anhand der dadurch gewonnenen Daten können anschließend die genaue Aufenthaltsdauer, die Besuchshäufigkeit und der Wegeverlauf der Kunden bestimmt werden.

Ihr Ansprechpartner

Geschäftsführer
IPH Handelsimmobilien GmbH

Joachim Stumpf

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