Freies Kunden-WLAN noch Ausnahme

Schon längst wird mit dem Telefon nicht mehr nur kommuniziert. Artikel per QR-Code vergleichen, Rabattpunkte mithilfe einer App sammeln oder die Ware auf dem Weg ins Geschäft reservieren: Moderne Kunden schätzen das Smartphone vor allem als digitalen Einkaufsbegleiter.

Schwer hat es da der Kunde, der auf seinen eigenen Datentarif mit langsamer Verbindung zurückgreifen muss, zumal baulich bedingte Einschränkungen des Empfangs, etwa in den Untergeschossen von Shopping Centern, das Surfen über das Mobilfunknetz die Geduld herausfordern können. Für stationäre Läden geht es dabei um weit mehr als um die Frage der Aufenthaltsqualität. Mit einem Service wie freiem Internet für unterwegs bietet sich ihnen auch die Chance, die Digitalisierung in positiver Weise für sich zu nutzen. Vorausgesetzt, die WLAN-Abdeckung im Geschäft, in der Ladenstraße oder dem Shopping Center stimmt. Doch da herrscht in vielen Städten Deutschlands immer noch Nachholbedarf.

München im WLAN-Test

Obwohl sich einer repräsentativen Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitcom zufolge fast die Hälfte (48 %) der Konsumenten ab 14 Jahren öffentliche WLAN-Hotspots im stationären Handel wünscht und ein Drittel die Warenverfügbarkeit via Smartphone prüft, gibt es in vielen Einzelhandelslagen entweder gar keine oder nur eine schlechte WLAN-Abdeckung. Das hat die BBE Handelsberatung nun erstmals gemeinsam mit Digital Natives, also online-affinen Menschen jüngerer Jahrgänge, anhand einer Stichprobe in München belegt. Diese haben die WLAN-Qualität an insgesamt elf Standorten getestet, darunter sowohl die wichtigsten Einkaufszentren als auch die Fußgängerzonen, beispielsweise am innerstädtischen Marienplatz oder am Stadtteilzentrum Rotkreuzplatz. Als Gegenprobe diente der Königsplatz, an dem sich kein Einzelhandel befindet. Für ihre Bewertung konnten die Tester Sterne vergeben; von null Sternen für gar kein WLAN-Angebot bis zu fünf Sternen für eine gute Abdeckung mit zügigem Einloggen. Die Ergebnisse sind durchwachsen. Lediglich vier der elf getesteten Lagen verfügen über einen guten öffentlichen WLAN-Zugang. Ohne ein manuelles Einloggen und lästige Werbeeinblendungen ist das Surfen allerdings auch dort nicht möglich. Vier weitere Hotspots bieten zwar WLAN an, jedoch nur mit langsamer und lückenhafter Abdeckung. Drei der getesteten Standorte verfügen über gar keinen WLAN-Zugang.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

München ist mit diesem Problem nicht allein, Fälle wie diese lassen sich überall wiederfinden. Sowohl der filialisierte als auch der nicht-filialisierte Einzelhandel verfügen oft nur über kleinteilige „Inselabdeckungen“ – jedes Geschäft betreibt sein eigenes WLAN. Der Zugang zu freiem Internet endet damit schon wenige Meter vor der Ladentür. Die Folge ist ein permanentes Ein- und wieder Ausloggen bei jedem Ladenbesuch. Einzelhändlern, aber auch Kommunen setzt das unter Zugzwang. Wichtig wäre ein gemeinsames Konzept, das eine großflächigere Abdeckung beispielsweise über die gesamte Fußgängerzone zuließe. Bezahlbare technische Lösungen hierfür sind längst vorhanden. Am Ende profitieren alle, schließlich bringt eine hohe Frequenz des Nachbarn oftmals auch dem eigenen Laden neue Besucher. Verbesserungspotenzial haben zudem die Kommunen, vor allem die kleineren. Wollen sie den stationären Einzelhandel in den Stadtkernen und Fußgängerzonen nicht dem E-Commerce opfern, müssen sie verstärkt über Kooperationen mit den Einzelhändlern vor Ort diskutieren.

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