Digitalisierung im Shopping Center: Die Umkleidekabine als Schnittstelle

Wer den aufstrebenden E-Commerce noch immer in strikter Konkurrenz zum stationären Handel sieht, sollte besser schnell umdenken – ansonsten droht er, die aktuellen Entwicklungen im Einzelhandel zu verschlafen. Moderne Shopping Center haben die Möglichkeit, sich zu einer Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt zu wandeln. Gerade dort, wo online auf offline trifft, entstehen spannende Neuerungen, die den Centern von morgen ein völlig neues Gesicht verleihen.

Wie das funktionieren kann, zeigt Einkaufszentrum „Das Gerber“ in Stuttgart: Mit dem Pilotprojekt „Service and more“ beschreitet das Center alternative Wege. Dort wird seit neuestem der stationäre Handel im Shopping Center um eine 100 Quadratmeter große Service-Fläche ergänzt. Viel wichtiger ist allerdings, was auf dieser Fläche passiert. Denn der Bereich dient nicht nur als Info-Point, sondern unter anderem gleichzeitig als Abholstation für den Internethandel. Centermanager Kemal Düzel: „Die Kunden können sich ihre Pakete ins Center liefern lassen und direkt in einer der Umkleidekabinen auf der Service-Fläche anprobieren. Falls nötig, können sie am Tresen sofort eine Retoure aufgeben.“ Die Kunden sparen sich so nicht nur die Schlange bei der Post oder den lästigen Gang zum Nachbarn, der in Abwesenheit das Paket angenommen hat.

Doch das ist nur der erste Schritt. Denn das wirklich Innovative geschieht zukünftig in der Kabine selbst. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Umkleidezelle, wie man sie in jedem Textilgeschäft findet, wird es sich hier um einen Virtual-fitting-Room handeln. Ausgehend von der Bestellung und dem Warenangebot der Retailer vor Ort wird der Kunde auf weitere Artikel hingewiesen, die seine Bestellung passend ergänzen können. Düzel: „Die Kunden können also auf die Produktvielfalt des Internets zurückgreifen, ohne auf die persönliche Beratung im stationären Handel verzichten zu müssen.“ Vorbei mit dem Konkurrenzdenken – hier verbinden sich die Vorteile von Online- und Offline-Handel in naher Zukunft zu einem einheitlichen Shoppingerlebnis.

Voraussichtlich werden erst einmal digital-orientierte Händler bei Pilotprojekten dieser Art mitwirken. Aber sie können dadurch eine wichtige Vorreiterrolle übernehmen und den Weg dafür ebnen, dass sich erfolgreiche Konzepte in Zukunft weiträumig durchsetzen. Düzel: „Wir werden uns nicht lange auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern gute Ideen konstant weiterentwickeln. Die geschaffene Schnittstelle zwischen online und offline kann durch erweiterte Strategien publikumswirksam inszeniert werden.“ So wäre beispielsweise ein professioneller Shopping-Assistent denkbar, der die Kunden an den Samstagen zusätzlich zu ihrer Bestellung individuell berät, und ihnen dabei hilft, das perfekte Outfit zu finden.

Es gilt das alte Sprichwort: Die einzige Konstante ist die Veränderung. Idealerweise wird ein Shopping Center niemals „fertig“, sondern es durchlebt einen ständigen Wandel. Nicht nur auf dem Reißbrett, sondern auch aus dem laufenden Betrieb heraus können viele spontane Ideen erwachsen. Düzel: „Wichtig ist vor allem, Mut zum Experiment zu beweisen und auch das Ungewöhnliche zu versuchen. Gerade ältere Center erhalten dadurch eine Chance, sich neu auf dem Markt zu positionieren. Denn ein Ende dieser Entwicklungen ist nicht abzusehen und noch sind längst nicht alle potenziellen Schnittstellen erkannt worden, die zur Keimzelle von Innovationen werden können.“

Ihr Ansprechpartner:

Kemal Düzel

Tel: +49 711 2804190
E-Mail: kemal.duezel@iph-cm.de