„Unsere Kunden werden nicht mehr zwischen einem Online‐ und Offline-Händler unterscheiden“

Das Aus von Kaiser’s Tengelmann, die Macht des E-Commerce und die Suche nach innovativen Konzepten: der Lebensmitteleinzelhandel befindet sich im Umbruch. Wir sprachen mit Stephan Koof, Leiter Expansion bei der REWE Group, über Wachstumspläne, neue Verkaufsformate und wie es mit der „Bistro“-Strategie weitergeht.

Interview mit Stephan Koof, Leiter Expansion bei der REWE Group

Frage: Herr Koof, in diesem Jahr hat REWE Kaisers übernommen und weitet sein Filialnetz weiter aus. Wie viele REWE-Standorte wird es in fünf bis zehn Jahren in Deutschland geben?

Koof: Das Ladennetz von Rewe und Penny mit mehr als 5.000 Märkten ist weitgehend auf dem neuesten Stand. Dennoch ergeben sich immer wieder Möglichkeiten, unsere Märkte für Kunden noch attraktiver zu gestalten. Das kann im Bestand erfolgen, durch Erweiterungen, durch Abriss mit Neubau, durch Verlagerungen oder durch Expansionsmärkte. Pro Jahr werden wir rund 200 neue Märkte von Rewe und Penny eröffnen.

Frage: Amazon hat in den USA Whole Foods übernommen – attraktiv unter anderem aufgrund des stationären Filialnetzes. Wie beurteilen Sie den zukünftigen Online-Lebensmitteleinkauf in Deutschland?

Koof: Wir sehen positive Auswirkungen auf unser stationäres Geschäft. Auch haben wir eine direkte Verknüpfung durch unsere Abholstationen an Fahrstandorten für Waren, die zuvor online bestellt wurden. Wie in jedem Handelssegment wird der Mix dieser Vertriebskanäle die Zukunft sein. Das Online‐Geschäft ist keine Konkurrenz zum stationären Handel, sondern eine Ergänzung. Wir bieten den Kunden damit einen zusätzlichen Service. Anders ausgedrückt: Für REWE ist der Online-Handel ein zusätzlicher Vertriebskanal, der zeitgemäß mit dem stationären Geschäft zu kombinieren ist. So werden wir neue Kunden gewinnen, denn REWE hat dank des starken stationären Handels einen Innovationsvorsprung. Insbesondere mit Blick auf unsere Omnichannel‐Strategie. Langfristig werden unsere Kunden nicht mehr zwischen einem Online‐ und Offline-Händler unterscheiden.

Frage: Gleichzeitig entwickeln Sie verschiedene Konzepte für unterschiedliche Lagen und Flächengrößen, Stichwort REWE City und REWE To Go. Wird es weitere neue Formate geben?

Koof: Die Rewe Group gilt seit Jahren als Treiber für innovative Handelskonzepte. Mit Rewe To Go beispielsweise entsteht aus der Abschlussarbeit einer Rewe-internen Fortbildungsakademie gerade ein Netz mit bis zu 1.000 Standorten, vor allem auch durch die Kooperation mit Aral. Das motiviert für weitere Tests.

Frage: Konzepte der Zukunft: Einkaufen vermischt sich immer mehr mit Event, Gastronomie und Kommunikation. Wollen Sie Ihre „Bistro“-Strategie ausbauen?

Koof: Wir haben unsere Bistros in unterschiedlichen Standortkonstellationen ausprobiert. Zukünftig werden wir uns auf die Weiterentwicklung in unseren Vorkassenzonen und Malls konzentrieren. Supermärkte müssen heutzutage mehr bieten als nur Lebensmittel. Gefordert sind auch besondere Sortimente und kreative Gastronomiekonzepte. Ebenso gilt es, außergewöhnliche Standorte zu erschließen und zu sichern. Innovative Konzepte, die an den jeweiligen Standort und die örtlichen Kundenbedürfnisse angepasst sind, machen den Einkauf bei REWE zum Erlebnis.

Frage: Wie sehen Sie Ihre Funktion als Ankermieter in Shopping-Centern?

Koof: Vor dem Hintergrund einer sehr hohen Versorgungsdichte in Deutschland hat die Funktion von LEH-Märkten als Ankermieter in geschlossenen Shopping-Centern immer weiter abgenommen. Die Kunden kaufen in der Regel in ihrem Wohnumfeld und decken sich in EKZ-Supermärkten überwiegend mit Ergänzungsprodukten sowie Frische- und Convenience-Artikeln ein. So sind beispielsweise große Getränkeabteilungen oftmals überflüssig. Von daher reichen uns in solchen Konstellationen Verkaufsflächen zwischen 500 und 1.500 Quadratmeter, die für die Kunden gut sicht- und erreichbar sind. Gerne würden wir auch unser Rewe-To-Go-Format mal an einer hoch frequentierten Stelle eines Einkaufzentrums ausprobieren.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Koof.